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Mimischer, gestischer und paraverbaler Emotionsausdruck

Emotionen sind  seit jeher eines der Grundthemen der Psychologie, aber auch unseres Daseins ganz allgemein. Wir streben positive Emotionen wie Freude, Lust oder Stolz an, und wollen negative Emotionen vermeiden. Emotionen hängen eng mit anderen psychischen Zuständen wie Motivationen zusammen (siehe  Schiller, ... Krippl, et al., 2024), ebenso kann man sich streiten, wie viele verschiedene Emotionenen voneinander abgrenzbar sind.

Ein Weg um sich dieser Frage anzunähern ist der über den mimischen und gestischen Ausdruck der insbesondere von Charles Darwin (1872) vorangebracht wurde. Er hat eine relativ lange Liste von Emotionen beschrieben. Im letzten Jahrhundert hat insbesondere Paul Ekman (2007) mit Studien auch bei relativ isoliert lebenden Völkern die universelle Erkennbarkeit von 6-7 Emotionen (Freude, Furcht, Ärger, Trauer, Ekel, Überraschung und evtl. Verachtung) zeigen können.

Facial Action Coding System
Er hat auch das Facial Action Coding System (Ekman & Friesen, 1978; Ekman, Friesen & Hager, 2001) entwickelt, der der bis heute gültige Goldstandard im Bereich Mimikcodierung ist. Allerdings hat sich in späteren Studien gezeigt, dass die interkulturelle Übereinstimmung nicht ganz so groß ist wie ursprünglich angenommen. Elfenbein und Ambady (2003) konnten in einer Meta-Analyse zwar interkulturelle

Übereinstimmung finden, aber auch kulturelle Unterschiede, die dafür sprechen, dass es auch so etwas wie kulturell unterschiedliche Ausdrucks-Dialekte gibt. Diese Ergebnisse zeigen uns also, dass wir im Allgemeinen mehrere sogenannte Basisemotionen unterscheiden können, dass es auf der anderen Seite auch einiges an Ausdrucksunterschieden gibt, und das nicht alle Menschen immer alles erkennen können bzw. in der Interpretation übereinstimmen.

Microexpressions
In der Realität gibt es natürlich noch mehr Probleme Emotionsausdrücke richtig zu erkennen. Das kann auch daran liegen, dass die Dauer der mimischen Veränderung nur sehr kurz ist (deutlich weniger als ein halbe Sekunde). Dies nennt man dann Mikroausdrücke bzw. Microexpressions. Diese zu erkennen erfordert hohe Aufmerksamkeit zum richtigen Zeitpunkt und auch ein geschultes Auge um die Bewegungen dann richtig einordnen zu können.

Gestik und Posen
Neben dem Gesicht sind natürlich auch noch andere Körperteile relevant für den Emotionsausdruck. Diese wirken dann in Form von Posen und Gestiken mit dem Gesicht als ganzes auf uns ein. Insbesondere für Triumph und Stolz, aber auch Scham und Verlegenheit sind diese sehr relevant (Krippl & Königsmark, eingereicht).

Paraverbaler Emotionsausdruck
Ausser dem visuell sichtbaren Ausdruck gibt es natürlich auch noch den sogenannten paraverbalen Emotionsausdruck. Hier geht es um Dinge wie Lautstärke, Tonhöhe, Tonfall etc..
Manche Emotionen können weniger gut visuell erkannt werden, dafür eher paraverbal, und umgekehrt. Der Vorteil für den Zuhörer ist auch, dass man paraverbalen Ausdruck nicht so leicht willkürlich kontrollieren (maskieren) kann, sodass es ein "ehrlicheres" Signal ist.

Personunterschiede
Sowohl beim Ausdruck als auch bei der Wahrnehmungsfähigkeit gibt es natürlich auch Personunterschiede. Was den Ausdruck angeht, sind diese kaum untersucht, wohl aber was die Wahrnehmung angeht. Hier kennt man den Begriff der Emotionalen Intelligenz, der einerseits die Fähigkeit Emotionen bei anderen zu erkennen beinhaltet, aber auch die Fähigkeit sie bei sich selbst zu erkennen und auch zu managen. Diese Fähigkeiten beeinflussen natürlich auch die Möglichkeit auf andere einzugehen und deren Emotionen zu beeinflussen, so wie das auch die Aufgabe von Trainern ist.

Diese Fähigkeit Emotionen insbesondere an Hand von Mimik und Gestik zu erkennen ist also sehr wichtig. Darum biete ich auch ein Workshop zu Nonverbaler Emotionserkennung an.

Literatur
Darwin, C. (1872). The Expression of the Emotions in Man and Animals. Murray.

Elfenbein & Ambady (2003). On the universality and cultural specificity of emotion recognition: A meta-analysis.  Psychological Bulletin, 128(2), 203–235. https://doi.org/10.1037/0033-2909.128.2.203 


Ekman, Paul (2007): Gefühle lesen. Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. Übersetzt von Susanne Kuhlmann-Krieg, 1. Aufl. München: Spektrum Akademischer Verlag. 

Krippl & Königsmark (submitted). Triumph - not pride - is the main emotion expressed after success in non-interactive sports.